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Hat’s geklickt? Eine erfolgreiche Kampagne zur Förderung des Angurtens in Nutzfahrzeugen

DEKRA-Symposium »Sicherheit von Nutzfahrzeugen« vom 9.-10. Oktober 2008

Jürgen Bente, Deutscher Verkehrssicherheitsrat e. V., Bonn
Kay Morschheuser, Daimler AG, Stuttgart
Alexander Berg, DEKRA Automobil GmbH, Stuttgart

Zusammenfassung

Nach § 21a der deutschen Straßenverkehrsordnung müssen in Fahrzeugen eingebaute und vorgeschriebene Sicherheitsgurte während der Fahrt angelegt werden. Im August 1992 wurde in § 35a der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung der Einbau von Sicherheitsgurten in neu zugelassene Lkw (ohne die vorher geltende Beschränkung bis zu 2,8 t zulässige Gesamtmasse) gesetzlich vorgeschrieben. Damit war die Einführung der Gurtanlegepflicht auch in den schweren Lkw vollzogen. Sie stützte sich auf Erkenntnisse aus dem realen Unfallgeschehen, wonach auch für Fahrer und Beifahrer in Lkw der angelegte Sicherheitsgurt das wesentliche Grundelement des Insassenschutzes darstellt.

Verkehrsbeobachtungen ergaben jedoch, dass damals insbesondere in den schweren Lkw weniger als 10 % der Fahrer den Gurt auch tatsächlich anlegten. Mercedes-Benz und DEKRA führten deshalb beim 1. Internationalen DEKRA Symposium „Sicherheit von Nutzfahrzeugen“ am 1. Oktober 1998 im Crash Test Center Neumünster einen öffentlichen Test mit einer Actros-Sattelzugmaschine durch. Hierbei wurde gezeigt, dass für einen nicht angegurteten Lkw-Insassen bei einem Aufprall auf das Heck eines vorausfahrenden Lkws schon bei 30 km/h Differenzgeschwindigkeit die Gefahr besteht, aus dem Fahrerhaus geschleudert zu werden. Unfallforscher kannten entsprechende Fälle, bei denen Lkw-Insassen durch das eigene Fahrzeug überrollt wurden, bereits aus dem realen Unfallgeschehen. Die anschließende Berichterstattung in den Medien weckte nun auch öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Thema.

Unter der Schirmherrschaft des Deutschen Verkehrssicherheitsrates wurde gemeinsam mit mehreren Partnern ein Projekt zur erweiterten öffentliche Aufklärung gestartet. Es entstand die Kampagne „Hat's geklickt“. Sie begann auf der Internationalen Automobilausstellung Nutzfahrzeuge am 11. September 2002 und wird bis heute fortgeführt. Mit Informationsbroschüren, einem Aufkleber und Plakaten, vor allem aber durch Aktionen an Autobahnraststätten, bei denen die Teilnehmer durch den Einsatz von Gurtschlitten und Überrollsimulator die Schutzwirkung des Gurtes am eigenen Leib erfahren können, konnten seither mehr als 100.000 Lkw-Fahrer persönlich auf das Thema angesprochen werden. Viele ließen sich von der Schutzwirkung des Gurtes überzeugen, was auch in steigenden Gurtanlegequoten messbar ist.

Im Beitrag wird über die Entstehung und Konzeption der Aktion sowie über die in den zurückliegenden Jahren gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem aktuellen Unfallgeschehen berichtet. Trotz aller Erfolge, insbesondere bei den Steigerungen der Gurtanlegequoten in den kleineren und leichteren Lkw, ist das Ziel einer ähnlich hohen Gurtanlegequote wie in Pkw noch nicht erreicht. Nach wie vor besteht Bedarf an Aufklärung und Überzeugung der Lkw-Insassen vor allem in den großen und schweren Fahrzeugen.


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