Presse-Echo

Aufklärung im 'Schleudersitz'

(Westfälischer Anzeiger) An der A 2 fanden Aktionstage zur Anschnallpflicht für Lkw-Fahrer statt. Brummifahrer Jürgen K. hängt mächtig in den Seilen. Dabei war er nur mit elf Kilometern in der Stunde unterwegs; aber der jähe Stop hat ihn kräftig in den Gurt gedrückt: Für einen kurzen Augenblick hatte er an der Autobahnraststätte Rhynern-Süd seinen Platz im Lastwagen gegen den „Schleudersitz“ eines Crash-Test-Simulators, eines so genannten Gurtschlittens getauscht, der Teil einer Aufklärungsaktion der Autobahnpolizei, Verkehrssicherheitsberatung in Arnsberg, und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) ist. Das Ziel der Aktion erlebte Jürgen K. am eigenen Leibe: Kommt es zum Unfall, ist es gut, den lebensrettenden Sicherheitsgurt angelegt zu haben.

„Wir schätzen; dass sich etwa 85 Prozent der Lkw-Fahrer nicht anschnallen“, erklärt Frank Borkowski von der Autobahnpolizei den Hintergrund der Aktion, die er mit einem Kollegen und zwei DVR-Vertretern erstmalig in Rhynern durchführte. Befolgten alle die Anschnallpflicht, könnten laut einer Untersuchung des Instituts für Fahrzeugsicherheit jährlich 50 tödlich verlaufende und 500 Lkw-Unfälle mit schwer verletzten Fahrern vermieden werden. Mit einem „Truck“ voller Infos und diversen Hilfsmitteln soll während der Aktionstage zur Anschnallpflicht auf die Lkw-Fahrer eingewirkt werden. „Wir sprechen die Fahrer an, mit in unser Zelt zu kommen“, sagt Borkowski. Zu einer Tasse Kaffee gibt's zunächst ein Video über Lkw-Crashs. Vor allem suchen die Aufklärer das Gespräch mit den Fahrern. „Manchmal ist es konstruktiv, manchmal sehr destruktiv“, erklärt Borkowski. Sie finden die unterschiedlichsten Ausreden, um sich nicht anschnallen zu müssen: „Es ist unbequem“, „ich komme nicht an die Thermoskanne“ oder „ich kann mich ja am Lenkrad festhalten“. Dieses Argument ist schnell widerlegt: Der abrupt gestoppte 80-Kilo-Durchnittsfahrer fühlt sich beim Aufprall gleich 220 Kilo schwerer – einen Eindruck davon vermittelt der Gurtschlitten.

“Hoffen, dass im Laufe des Gesprächs Einsicht kommt“

“Die Ausreden ziehen nicht“, sagt er. „Es gibt zwar die seltene Situationen, in denen der Gurt Gegenteiliges bewirkt, aber in den allermeisten Fällen hilft er, Leben zu retten. Wir hoffen, dass bei den Lkw-Fahren im Laufe der Gespräche die Einsicht kommt, sich anzuschnallen.“ Mit der Kontaktaufnahme hatten die Polizisten keine Probleme. „Alle ließen sich auf ein Gespräch ein“, sagte Borkowski – solange man sich verständigen konnte. Osteuropäische Sprachen beherrsche aber keiner von ihnen, bedauerte er. Nach drei Tagen endete gestern die Aktion. Rund 300 Gespräche wurden geführt. Der Truck, der seit vergangenem Jahr durch Deutschland tourt, schlägt sein Zelt in der kommenden Woche an Sauerlandlinie, Raststätte Sauerland Ost, auf.

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