Presse-Echo

Gurtmuffel im Laster

DVR-Sicherheitskampagne

(Frankfurter Allgemeine Zeitung) Nicht einmal zehn Prozent aller Lastwagenfahrer schnallen sich an, aber in 60 Prozent aller Unfälle könnte der Gurt schwere Verletzungen vermeiden oder wenigstens mildern. Zählt man die Transporter-Fahrer dazu, steigt die Gurtanlegequote nach DEKRA-Informationen nur unwesentlich auf 15 Prozent.

Umgekehrt verzichten also 85 von 100 Leicht- und Schwerlastwagenlenkern auf das wichtigste Schutzmittel bei Unfällen. Aufklärung tut Not, denn die seit zehn Jahren gesetzliche Gurtpflicht nebst Bußgeldandrohung hat nichts verändert. Daher läuft jetzt unter dem Motto „Die wichtigste Ladung sind Sie“ eine Kampagne an. Seit dem 27. Januar ist ein „Pro-Gurt-Truck-Team“ des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) mit einem Sattelzug auf Rast- und Autohöfen unterwegs. Ziel der Aktion: Brummi-Fahrer mit praktischen Vorführungen davon zu überzeugen, dass der Gurt auch im Nutzfahrzeug Leben retten kann.

Mit einem Gurtschlitten können Fahrer die Wirkung des Sicherheitsgurts am eigenen Leib erleben: Simuliert wird der Aufprall eines Lastwagens mit 10 km/h auf ein stehendes Hindernis. Neben Dekra unterstützen alle sieben Lastwagenmarken die Sicherheitskampagne des DVR, außerdem der VDA und der VDIK, Aral sowie die wichtigsten Fachblätter.

Die Kampagne ist längst überfällig. Schon vor fünf Jahren haben Sicherheitsexperten Alarm geschlagen und auf die extrem niedrige Gurtanlegequote hingewiesen. Schließlich sind Dreipunktsicherheitsgurte seit Beginn der neunziger Jahre nicht nur vorgeschrieben, sondern überdies dank immer öfter sitzintegriertem Einbau auch leicht anzulegen und angenehm zu tragen. Zunehmend werden – als I-Tüpfelchen der passiven Sicherheit – Airbags für den Fahrer angeboten.

„Damit erschließen wir weitere 15 Prozent Schutzpotential“, sagt Kay Morschheuser, Unfallexperte von Daimler-Chrysler, „aber nur bei fixiertem Fahrer, also mit Gurt“. Alle konstruktiven Fortschritte für mehr passive Sicherheit im Nutzfahrzeug verpuffen, wenn Fahrer und Beifahrer den Gurt nicht anlegen. Das eingeschränkte „Freiheitsgefühl“ mancher Cowboys am Lenkrad wird als ein Grund vermutet, das trügerische Gefühl von Sicherheit in der hochliegenden Kabine ist ein zweiter, ein dritter schlicht die Tatsache, dass man das Gurtanlegen praktisch nicht überprüfen kann. Wie Versicherungen oder die Berufsgenossenschaft mit verunglückten, nicht angeschnallten Truckern umgehen, ist von Fall zu Fall gewiss unterschiedlich. Klar ist jedoch deren faktische Mitschuld bei einem Unfall.

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